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Ruhezeit Österreich — 11 Stunden täglich (§ 12 AZG)

§ 12 des Arbeitszeitgesetzes (AZG) verlangt nach jedem Arbeitstag eine ununterbrochene tägliche Ruhezeit von mindestens 11 Stunden. Dazu kommt die wöchentliche Ruhezeit von mindestens 36 Stunden (Wochenend- bzw. Wochenruhe nach dem Arbeitsruhegesetz). Diese Ruhezeiten sind vom Begriff der Ruhepause (die 30-Minuten-Pause während der Arbeit nach § 11 AZG) klar zu trennen — die Pause unterbricht den Arbeitstag, die Ruhezeit liegt zwischen zwei Arbeitstagen bzw. am Wochenende.

Ruhezeiten sind Arbeitnehmerschutz: Sie stellen sicher, dass zwischen Dienstende und nächstem Dienstbeginn genug Erholung liegt. Wer sie missachtet, riskiert § 28 AZG-Strafen — und nach jüngerer EuGH-Rechtsprechung sind tägliche und wöchentliche Ruhezeit kumulativ zu gewähren.

Dieser Artikel erklärt: die 11-Stunden-Regel, wann und wie sie verkürzt werden darf, die 36-Stunden-Wochenruhe, die kumulative Sicht des EuGH, und was für die Aufzeichnung gilt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die tägliche Ruhezeit: 11 Stunden
  2. Verkürzung und Ausgleich
  3. Die wöchentliche Ruhezeit: 36 Stunden
  4. Tägliche und wöchentliche Ruhezeit kumulativ (EuGH)
  5. Ruhezeit vs. Ruhepause
  6. Ruhezeit in der Aufzeichnung
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen und verwandte Themen

Die tägliche Ruhezeit: 11 Stunden

Nach § 12 Abs. 1 AZG gebührt dem Arbeitnehmer nach Beendigung der Tagesarbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden. Erst danach darf der nächste Arbeitstag beginnen.

Beispiel: Endet der Dienst um 20:00 Uhr, darf der nächste Arbeitsbeginn frühestens um 07:00 Uhr am Folgetag liegen. Ein Dienstende um 22:00 und ein Dienstbeginn um 06:00 (nur 8 Stunden dazwischen) verletzt die tägliche Ruhezeit — außer eine zulässige Verkürzung greift.

Verkürzung und Ausgleich

Ein Kollektivvertrag kann die tägliche Ruhezeit auf mindestens 8 Stunden verkürzen. In diesem Fall muss die Verkürzung innerhalb der nächsten 10 Kalendertage durch entsprechende Verlängerung einer anderen täglichen oder der wöchentlichen Ruhezeit ausgeglichen werden.

Daneben gibt es weitere gesetzliche Sonderfälle (z. B. geteilte Dienste in bestimmten Branchen, Bereitschaft). Maßgeblich ist immer der anwendbare Kollektivvertrag samt seiner Ausgleichsregeln — eine Verkürzung ohne Rechtsgrundlage ist unzulässig.

Die wöchentliche Ruhezeit: 36 Stunden

Zusätzlich zur täglichen Ruhezeit steht dem Arbeitnehmer eine wöchentliche ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 36 Stunden zu (Arbeitsruhegesetz, ARG):

Die 36-Stunden-Wochenruhe ist die längere, „große" Erholungsphase pro Woche; die 11-Stunden-Ruhezeit die tägliche.

Tägliche und wöchentliche Ruhezeit kumulativ (EuGH)

Nach jüngerer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs sind die tägliche und die wöchentliche Ruhezeit zwei eigenständige (autonome) Ansprüche, die kumulativ zu gewähren sind. Die tägliche Ruhezeit ist nicht Teil der wöchentlichen, sondern zusätzlich — sie wird der wöchentlichen Ruhezeit vorangestellt bzw. gesondert gewährt.

Praktisch heißt das: Die 36-Stunden-Wochenruhe „ersetzt" nicht die tägliche 11-Stunden-Ruhezeit — beide Ansprüche bestehen nebeneinander.

Ruhezeit vs. Ruhepause

Häufige Verwechslung:

Die Pause zählt nicht als Arbeitszeit, die Ruhezeit ist arbeitsfreie Zeit zwischen den Diensten. Beide dienen dem Schutz, greifen aber an unterschiedlichen Stellen.

Ruhezeit in der Aufzeichnung

Um die Einhaltung der Ruhezeiten zu belegen, müssen Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit lückenlos erfasst sein (§ 26 AZG) — nur aus dem Abstand zwischen Dienstende und nächstem Dienstbeginn lässt sich die 11-Stunden-Ruhezeit prüfen.

Stempeln wertet den Abstand zwischen dem Arbeitsende eines Tages und dem Arbeitsbeginn des Folgetags aus und blendet einen Warnhinweis ein, wenn weniger als 11 Stunden Ruhezeit dazwischen liegen. Die Daten werden dabei nicht verändert — der Hinweis macht die mögliche Unterschreitung sichtbar.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden Ruhezeit muss zwischen zwei Arbeitstagen liegen? Mindestens 11 ununterbrochene Stunden (§ 12 Abs. 1 AZG). Ein Kollektivvertrag kann auf mindestens 8 Stunden verkürzen, mit Ausgleich innerhalb von 10 Kalendertagen.

Ist die Ruhezeit dasselbe wie die Pause? Nein. Die Pause (mind. 30 Minuten) liegt während der Arbeitszeit ab mehr als 6 Stunden; die Ruhezeit (mind. 11 Stunden) liegt zwischen zwei Arbeitstagen.

Wie lange dauert die Wochenruhe? Mindestens 36 zusammenhängende Stunden, in die grundsätzlich der ganze Sonntag fällt (Wochenendruhe). Bei erlaubter Wochenendarbeit kann ein anderer Wochentag Teil der Ruhezeit sein (Wochenruhe).

Zählt die tägliche Ruhezeit in die wöchentliche hinein? Nach EuGH-Rechtsprechung nein — tägliche und wöchentliche Ruhezeit sind eigenständige Ansprüche und kumulativ zu gewähren.

Warnt Stempeln bei zu kurzer Ruhezeit? Ja. Stempeln prüft den Abstand zwischen Arbeitsende und nächstem Arbeitsbeginn und zeigt einen Warnhinweis, wenn weniger als 11 Stunden dazwischenliegen.

Quellen und verwandte Themen

Gesetzes- und Behörden-Quellen

Verwandte Themen


Hinweis zur Rechtsverbindlichkeit: Dieser Artikel fasst die geltende Rechtslage in Österreich nach bestem Wissen zusammen. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an einen Arbeitsrechtsanwalt, die Wirtschaftskammer Österreich oder die Arbeiterkammer Ihres Bundeslands. Für einzelne Branchen bestehen abweichende Sonderregelungen zur Ruhezeit.

Stand: 7. Juli 2026 · Veröffentlicht von der Stempeln Redaktion